Die Häuser für Geflüchtete müssen bleiben!

„In Berlin haben am internationalen Aktionstag, dem 23. Juni, einige dutzend
Menschen vor der griechischen Botschaft gegen die drohende Räumung von
City Plaza und anderen besetzter Häusern in denen Geflüchtete wohnen,
protestiert. In einer Live Schaltung nach Athen wurde aus dem besetzten Hotel von den
Aktionen dort berichtet. Auch Geflüchtete aus Afghanistan, die in dem besetzten Hotel wohnen kamen zu Wort.“ Hans Köbrich

Wir dokumentieren das Flugblatt, mit dem zu der Aktion aufgerufen wurde:
Das beste Hotel Europas in Athen
Verteidigt „City Plaza“ und andere selbstbestimmte Räume für Geflüchtete!
Im letzten Monat hat der griechische Staat seine Politik gegen Geflüchtete und die Solidaritätsbewegung eskaliert.
Der Umgang der EU mit Migration, zwingt Menschen zu einem Leben unter horrenden Bedingungen. Sie werden abgeschoben und ihnen werden ihre grundlegenden Menschenrechte vorenthalten, offenbart die griechische Regierung ein totalitäres Gesicht und demonstriert ihre repressive Macht, indem sie Hausbesetzungen räumen lässt, in welchen Geflüchtete politische Unterstützung und Unterkunft finden.
Nach Informationen aus der Presse in den letzten Tagen gibt es gerichtliche Entscheidungen zur Räumung von drei besetzten Häusern: Papoutsadiko, Zoodoxou Pigis 119 und City Plaza, eine der größten Hausbesetzungen für Geflüchtete, die 400 Menschen beherbergt.

Der Staat beabsichtigt offensichtlich die Schließung aller selbstorganisierten freien Räume inklusive aller Hausbesetzungen für Geflüchtete.
Ein Angriff auf City Plaza oder jeder anderen Hausbesetzung ist ein Angriff auf uns alle.
Sie haben die Macht und ihren Aufstandsbekämpfungsapparat.
Doch wir haben die Macht der Solidarität!
Solange sie versuchen, die besetzten Häuser zu räumen, so lange sie Lager und Abschiebeknäste bauen, so lange es Grenzen gibt – werden auch wir da sein und zurückschlagen und für eine bessere Welt kämpfen! Wir werden uns nicht beugen, wir werden sie nicht reinlassen, wir stehen vereint!
Wir zeigen ihnen ein weiteres Mal, was wir schon bewiesen haben:
wir leben gemeinsam, wir kämpfen gemeinsam und wir leisten gemeinsam Widerstand – um die Würde jedes einzelnen Individuums und unsere Prinzipien der Solidarität zu verteidigen und um unsere Freiräume zu erhalten.
Wir rufen deswegen auf zum Protest und einer Kundgebung am 23. Juni in Athen vor dem Ministerium für Migration (Stadiou 27) um 19:00 Uhr.
Für denselben Tag rufen wir auf zu einem Internationalen Aktionstag der Solidarität mit allen Hausbesetzungen und gegen Räumungen!

Die besetzten Häuser bleiben!
Lager und Abschiebeknäste schließen!
Den schändlichen EU-Türkei-Deal stoppen!
Die Grenzen öffnen!

Eine Bewegung lässt sich nicht räumen!

Koordinierung der Hausbesetzungen für Geflüchtete in City Plaza Hotel, Notara 26, Oniro, Spyrou Trikoupi, Arahovis, 5. Schule, Jasmine Schule, Acharnon 22

Hände weg von den besetzten Häusern in Griechenland!
Räumung ist staatlicher Rassismus! Solidarität mit den Refugee Housing Squats in Athen

Im Herbst 2015 war die Situation in Athen für tausende Flüchtlinge, die zumeist dem Krieg in Syrien entkommen waren, katastrophal. Athen war ein Transit-Punkt zwischen den Inseln, wo die Menschen mit Boten aus der Türkei ankamen, und Idomeni, der Grenzstadt zu Mazedonien im Norden Griechenlands, wo die Menschen sich auf der beschwerlichen Balkan-Route‘ zu Fuss Richtung Norden begaben: mit der Hoffnung auf ein sicheres Leben in Würde.
Der griechische Staat versagte in dieser Situation komplett, alleine die Solidarität der Menschen verhinderte, dass noch mehr Flüchtlinge gestorben snd. Und aus der ganzen Welt kamen Menschen, um die Griech*innen dabei zu unterstützen und den Flüchtlingen das Minimum zum Überleben bereit zu stellen.
Aufzahlreichen Plätzen und in Parks wurden Essen, Zelte, Kleider gesammelt und verteilt und medizinische Notversorgung offeriert.
Einigen erschien diese Nothilfe zu wenig und sie besetzten ein Haus, um insbesondere Familien einen Ort der kurzen Erholung auf ihrer Flucht anbieten zu können. Das war der Beginn der Refugee Housing Squats in Athen und in geringerem Maße in anderen griechischen Städten. Als die Balkan-Route geschlossen wurde und die Flüchtlinge in Griechenland feststeckten, wurde der Bedarf an Wohnraum immer größer. Und so wurden mehr Häuser besetzt. Dabei ging es nun nicht mehr alleine darum, zu helfen: es entstand der Wunsch und die Notwendigkeit, sich mit den Menschen auf der Flucht gemeinsam zu organisieren und zusammen für menschenwürdige Verhältnisse zu kämpfen.

Heute gibt es in Athen 9 Refugee Housing Squats, die etwa 2.000 Menschen eine Bleibe bieten. Diese Squats sind akut von Räumung bedroht. Die sogenannte linksradikale Syriza-Regierung fährt schon seit Sommer 2016 eine Kampagne gegen die Solidaritätsbewegung. Damals wurden 3 besetzte Flüchtlingshäuser in Thessaloniki geräumt. Die politischen Gründe sind offensichtlich: die kollektive Organisierung von anarchistischen, linken und linksradikalen Aktivist*innen, solidarischen Bürger*innen aus dem In-und Ausland sowie geflüchteten Menschen, die schon bewiesen haben, dass sie
Grenzen einfach überlaufen, bedroht herkömmliches Regieren. Es macht das Versagen des Staates deutlich und es zeigt Wege auf, wie wir mit den Ankommenden würdig umgehen könnten, anstatt sie in Lagern einzupferchen, um sie möglichst ohne öffentliche Aufmerksamkeit abschieben zu können.

Die nun drohende Räumung ist ein Skandal! Insbesondere unter derSchirmherrschaft eine ‚linken‘ Regierung. Es geht um Menschen, die vor Kriegen, Unterdrückung und Ausbeutung fliehen, Verhältnisse die wir hier mitzuverantworten haben und auf denen ‚unser Reichtum‘ beruht. Die drohenden Räumungen zeigen deutlich, wie institutioneller Rassismus wirkt, wie der menschenverachtende Umgang mit Mitmenschen unbedingt durchgesetzt werden soll und wie alle zarten Pflänzchen eines solidarischen Miteinanders schnellstmöglich zerhackt werden sollen, um die Mär der Alternativlosigkeit aufrecht zu erhalten.

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