Ein Zwischenruf

Der Ton zwischen Griechen und Deutschen wird immer rauer. Ein Foto von Schäuble am Galgen, das ist die eine Seite, der Spruch des baden-württembergischen CDU-Landeschefs Thomas Strobl die andere. Dazwischen steht SWR3-Redakteurin Barbara Lampridou.

http://www.swr3.de/Ein-Zwischenruf/-/id=47308/did=3377180/z63oau/index.html

europaanders„Hätte mir vor ein paar Wochen jemand gesagt, dass ich auch nur eine Sekunde lang daran zweifeln würde, hier in Deutschland wirklich zu Hause zu sein, ich hätte demjenigen geistige Verwirrtheit attestiert. Aber jetzt ist dieser Tag da. Und ich weiß nicht, wohin mit meiner Traurigkeit. Ich bin in Stuttgart geboren und aufgewachsen, bin in vielem schwäbischer als einige meiner deutschen Freunde, habe starke griechische Wurzeln und ein, wie man sagt, sehr präsentes griechisches Temperament. Ich habe zwei Pässe und lebe meinen Kindern täglich vor, dass mein Herz für zwei Heimatländer schlägt. Seit Monaten kämpfe ich gegen Verallgemeinerungen und Hetze von beiden Seiten. Ich erkläre meinen verstörten griechischen Freunden und Verwandten, dass bei Weitem nicht jeder Deutsche sie alle für faul und korrupt hält. Ich versuche, meinem verunsicherten deutschen Umfeld klarzumachen, dass natürlich nicht alle Griechen Angela Merkel für eine Wiedergeburt Adolf Hitlers halten. Und dann spuckt der Baden-Württembergische CDU-Landeschef Thomas Strobel mir und meinen Landsleuten mit einer widerwärtigen arrogant kalten Überheblichkeit ins Gesicht, die mich einfach fassungslos macht: „Der Grieche hat jetzt lang genug genervt …“ – Der Grieche. Also auch ich. Es ist mir völlig egal, ob ich gemeint war oder auch nicht, ich fühle mich gemeint. Und wenn die Stuttgarter Nachrichten online noch ein schmissiges „Damit spricht er sicher vielen aus der Seele“ dazuschreiben, dann frage ich mich, in welchem Film ich hier eigentlich sitze. Es ist ja eben nicht nur eine unverschämte Aussage eines Politikers, es gibt eben auch den einen Lehrer, der im Unterricht Stimmung gegen Griechenland macht und dabei mit dem Finger auf meinen elfjährigen Sohn zeigt. Da ist diese eine Bekannte, die eine Mietwohnung nicht bekommen hat – weil sie Griechin ist. Dazu der Dauer-Hetzkampagnen-Beschuss durch die Bild-Zeitung und von den vielen „Haha – lustig“-originellen Sprüchen im privaten und, ja, auch beruflichen Umfeld will ich gar nicht erst anfangen. Wer mich kennt, weiß, ich halte wirklich einiges aus. Aber mein dickes griechisches Fell hat dicke Risse bekommen und ich weiß im Moment nicht, ob und wie die zu flicken sind.“
Barbara Lampridou, 15.07.2015

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Eine Antwort zu Ein Zwischenruf

  1. Wagner Jürgen schreibt:

    Die Leute wie Thomas Strobel oder Schäuble sollten das C ihrer Partei ab sofort weg Lassen. Ich schäme mich wegen diesen “ Deutschen . Das fällt mir nur ein “ Pfui „

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